
Wir starten bei extremer Hitze am 1. August, als noch große Waldbrände, v.a. in Frankreich und Spanien, wüten. In Finale Ligure an der Mittelmeerküste ist es so heiß, dass Klettern ausfällt und nur etwas Trailbiken mit unseren Rädern möglich ist. Als Flucht vor der Hitze flüchten wir in der Folge mehrfach vom Meer ins Gebirge in größere Höhen, so etwa am Tendapass am Beginn der Seealpen-Grenzkammstraße, zur Verdonschlucht oder zum Mt. Ventoux in Südfrankreich.
Das Pyrenäen-Gebirge war sowieso eines unserer Ziele: dort ist es zwar kühler, aber in der Hauptreisezeit der Einheimischen auch sehr voll. Ein gewaltiges Gewitter am Col de Tourmalet zerstört nicht nur die Passstrecke, sondern mit dem Eindringen von Wasser auch mein Display am Ebike, sodass weitere Mountainbiketouren ausfallen.
Wir baden dafür im Atlantik, schauen uns die Höhlenmalereien von Altamira an und erreichen mit den wilden Gebirge Picos de Europa unseren westlichsten Punkt. Hier wandern wir durch die eindrucksvolle Caresschlucht und ich besteige noch einen steilen Aussicht
sgipfel auf der Hochfläche.
Auf der Rückfahrt finden wir nach längerer Suche einen Reiterhof, von dem aus wir einen zweistündigen Ausritt durch schöne Laubwälder machen können. Südlich von Pamplona geraten wir bei Bardenas Reales versehentlich auf wüste Offroadpisten, wobei ein spanischer Geländewagen direkt vor uns sogar im Schlamm steckenbleibt.
Auf unseren letzten Stationen besuchen wir die mittelalterliche Festung von Siurana, baden nochmal im Mittelmeer und machen einen Ausflug nach Barcelona. Hier beeindrucken uns neben anderen Bauten natürlich die Familia Sagrada von Antoni Gaudi, die inzwischen fast fertiggestellt und die höchste Kirche weltweit geworden ist. Eine zweitägige Rückfahrt bringt uns nach 4 Wochen wieder nach Hause.
Als
wir am 1. August starten, stöhnt fast ganz Europa unter einer unerträglichen Hitze – die Temperaturen liegen tage- und wochenlang über 30 bis 35 Grad (und an manchen südlichen Orten sogar über 40 Grad). Wir sind froh, dass wir in unserem Wohnmobil gleich 4 Ventilatoren haben, die anfangs die Nacht durchlaufen. Trotzdem lassen wir zum Schlafen sogar die Schiebetür und auch die Hecktüre teilweise offen.
An unserem ersten Aufenthaltsort oberhalb von Finale Ligure reicht es im Wald zwar zum Mountainbiken, aber an Klettern ist nicht zu denken. Die Kinder vergnügen sich dafür im Schwimmbad des Campingplatzes – und wir experimentieren mit der neuen Drohne und der 360-Grad-Kamera auf einem schönen angelegten Trail.
Die nächsten zwei Nächte verbringen wir allerdings wegen der Temperaturen im Gebirge und fahren auf den knapp 2000 m hohen Tendapass an der Grenze von Italien und Frankreich, wo es sich wesentlich angenehmer schlafen lässt. Von dort strampeln wir mit den Mountainbikes ein Stück der Seealpen-Grenzkammstrasse entlang, die wir jedoch nur relativ kurz befahren, da uns ein drohendes Gewitter wieder zurück zum Wohnmobil treibt.
In der Zwischenzeit haben sich rund um die ehemalige Festungsanlage Forte Centrale eine ganze Menge Fahrzeuge angesammelt: es ist eine organisierte mehrtägige Nostalgiefahrt mit alten R 4 Wagen in allen Variationen. Insgesamt 104 alte und bunt bemalte Autos mit Begleitmannschaft inklusive Geländewagen und Mechaniker!
Über die Autobahn mit mehreren Staus fahren wir weiter an der Küste entlang nach Frankreich. Um der Hitze zu entfliehen, machen wir einen Umweg zur Verdonschlucht im Landesinneren. Dort steigen wir in den Schluchtgrund ab und baden im Fluss, der allerdings sehr wenig Wasser führt. An unserem freien Nachtplatz ermahnen uns die Ranger, auf keinen Fall ein Feuer zu machen, denn die Waldbrandgefahr ist sehr hoch – und viele Feuer wüten immer noch v.a. in Frankreich und Spanien. Wir übernachten so oft wie möglich an geeigneten Orten in der Landschaft statt auf überfüllten Camping- oder Stellplätzen. Dafür sind wir bestens eingerichtet und autark unterwegs.

Auch unser Umweg über den bekannten Gipfel des Mt. Ventoux ist der Hitze geschuldet. Hier sind am Wochenende sehr viele Radfahrer unterwegs, die sich den Berg bis in 1900 m Höhe hochschinden. Ganz oben treffen wir auf eine Schafsherde mit 700 Tieren und mehreren Wachhunden.
In Avignon ist es wieder sehr heiß – dafür gibt es erneut ein Schwimmbad am Campingplatz. Wir bummeln durch die Altstadt und besichtigen am nächsten Morgen auch noch den ehemaligen Papstpalast, der von 1350 bis 1430 offiziell in Betrieb war.
Ganz in der Nähe feiern wir in Orgon beim Campingplatz im „Glücklichen Tal“ den 12. Geburtstag von Isabella. Hier gibt es außer einem Schwimmbad auch noch einen schönen Natursee - und wir klettern ganz in der Frühe auch ein paar Kletterrouten.
Die W
eiterfahrt an der französischen Südküste ist nicht nur heiß, sondern auch etwas enttäuschend: die Camargue, eine Sumpflandschaft und Heimat der berühmten Pferde ist durch den starken Fremdenverkehr inzwischen ziemlich zugebaut. So fahren wir direkt weiter nach Carcassonne, einer mittelalterlichen Festungsstadt. Mit vielen anderen Besuchern erleben wir von der imposanten Burganlage die Sonnenfinsternis – beides zusammen ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.
Von hier aus geht es endlich ins Gebirge der Pyrenäen – und die Bergstraßen werden immer kleiner und enger. Allerdings merken wir auch hier, dass sowohl in Frankreich als auch Spanien gerade Schulferien und Hauptreisezeiten sind.
Noch voller wird es dann im Kleinstaat Andorra, der mit günstigem Zollpreisen die Bewohner beider Nachbarländer anlockt. Im Hauptort ist das ganze Tal zugebaut, es herrscht ein reger Verkehr und viele Staus. Wir versuchen, dem Massenandrang zu entfliehen und fahren in einem Skigebiet auf den höchsten Pass im Land. Auf 2300 m Höhe können wir bei angenehmer Temperatur gut schlafen.
Vor allem Annalena ist begeistert, da es hier mehrere Herden freilebender Pferde gibt: sie kann die Pferde nicht nur streicheln, sondern ihnen auch Äpfel oder Gurken anbieten, während ich zu guten Fotos komme.
In Andorra la Vela tanken wir sehr günstig – fast 70 Cent weniger als die Preise in Deutschland. Da ist es natürlich von großem Vorteil, wenn unser Spezialtank weit über 100 Liter fasst – und wir so komplett ohne Nachtanken durch die teuren Länder von Frankreich und der Schweiz kommen. Spanien überrascht uns in dieser Hinsicht dann gleich zweifach positiv: auch hier ist der Diesel sehr viel billiger als zu Hause und es gibt es im Gegensatz zu früher kaum noch Mautgebühren auf den Autobahnen.
Die Weiterfahrt geht über viele kurvenreiche Pässe der Pyrenäen. Vor dem durch die Tour de France bekannten Col du Tourmalet auf der französischen Seite gibt es heftige Gewitter. Unterhalb des Passes wird dann direkt vor uns die Strecke von der Polizei gesperrt – und wir können mit dem Fernglas sehen, dass die Wassermassen die Straße überfluten und bereits die Randbegrenzung weggerissen haben. Nach längerem Warten übernachten wir fast an Ort und Stelle auf einem großen Seilbahnparkplatz in der Hoffnung, dass die Strecke am nächsten Tag wieder befahrbar sein wird. Das klappt allerdings wegen der Aufräumarbeiten – auch wegen zusätzlicher Murenabgänge – nicht, sodass wir einen größeren Umweg über Lourdes fahren müssen.
Im Westteil der Pyrenäen hatten wir eine mehrtägige Radrundtour geplant. Die Gegend ist landschaftlich sehr schön und es gibt viele Mountainbikestrecken. Als wir bereits alles dafür gepackt hatten, stellen wir fest, dass in das Display meines Ebikes bei dem Gewitter Wasser eingedrungen ist – und die Elektronik nicht mehr richtig funktioniert. Trotz intensiver Sonnenbestrahlung und langem Trockenföhnen bekommen wir die hartnäckigen Wassertropfen nicht mehr dauerhaft weg und müssen unsere Bikepläne aufgeben.
Etwas frustriert fahren wir in der Nähe des Jakobsweges entlang nach Pamplona, wo ich vor 20 Jahren schon einmal mit dem MTB unterwegs war. An dem Tag kommen wir noch über San Sebastian am westlichen Ende der Pyrenäen an die Atlantikküste und erleben einen schönen Sonnenuntergang direkt am Meer.
Über Bilbao und Santander geht es an der Küste weiter in den Westen, wo wir uns als nächstes die bekannten UNESCO-Höhlenmalereien von Altamira anschauen wollen. Allerdings sind die Eintrittskarten für diesen Tag bereits ausverkauft – stattdessen baden wir am nahen Meer (diesmal im Atlantik) und probieren es am nächsten Tag noch einmal. Diesmal klappt es – unter Inkaufnahme einer längeren Warteschlange: wir sind erstaunt, dass uns der Eintritt für die ganze Familie nur 3 Euro kostet (Kinder und Senioren sind nämlich frei). Die Malereien sind interessant, aber nicht ganz so eindrucksvoll wie die (wesentlich teureren) von Lascaux in Frankreich, die wir erst wenige Wochen zuvor besucht hatten.
Jetzt k
ommen wir zu einem unserer Hauptziele dieser Reise: die Picos de Europa sind zwar nur ein kleines, aber sehr wildes und schroffes Felsgebirge, das stark an die Alpen erinnert, während die Pyrenäen mit ihren vielen Wäldern eher dem Schwarzwald ähneln. In beiden Fällen bestimmen schöne Laubwälder das Landschaftsbild.
Leider sind auch die Picos in der Hauptreisezeit völlig überlaufen – und wir verzichten deshalb z. B. auf die Seen von Covadongas, weil es durch den Massenandrang kaum Parkplätze oder Transportmittel gibt. So fahren wir auf extrem engen und kurvenreichen Sträßchen um die ganze Gebirgsgruppe herum, um von Süden einen einsameren Zugang zu finden. Das klappt tatsächlich – und wir übernachten einsam direkt vor der kleinen Ortschaft Cain, die der Ausgangspunkt für eine grandiose Schluchtwanderung ist.
Di
e Cares-Route ist eine der beliebtesten und schönsten Wanderungen des Landes und entstand aus einem alten Wasserkanal, der 1916 zur Versorgung eines Kraftwerkes in mühsamer sechsjähriger Arbeit aus den Felsen gesprengt wurde, davon alleine mehr als 5 km Tunnel. Der ausgesetzte Wanderweg wurde 1945 zum Kanal dazu gebaut, ist ca. 1,5 Meter breit und verfolgt den Kanal mit Hilfe von Brücken und Tunneln.
Die Route hat zwar keine großen Höhenunterschiede, ist aber einfach 11 km lang und es gibt keine Unterkunft oder Verpflegung zwischendurch. Wir starten ganz in der Früh, wo es noch kühler und weniger los ist. Jedes Jahr sind hier Tausende von Besuchern unterwegs – diese Wanderung lohnt sich in dieser spektakulären Landschaft allemal! Meine Filmaufnahmen mit der 360 Grad-Kamera und einen langen Selfiestick zeigen eindrücklich die Ausgesetztheit und Schönheit des Weges.
Da das Wetter wieder schlechter werden soll, fahren wir noch am selben Tag weiter um das Gebirge der Picos herum. Bei Fuente Dé führt eine Seilbahn steil 800 m hoch in den Hauptteil des Gebirges. Mit unserer Bahnreservierung starten wir wieder früh. Zunächst geht es von der Bergstation gemütlich los, dann wird der Weg immer schmaler und mühsamer. Die Kinder bleiben an einem Pass, finden eine Höhle und spielen, während ich über einen weiteren Pass den steilen Gipfel des Torre de los Rojos (2506 m) besteige, von dem man eine weite Rundsicht hat. Nach den zwei anstrengenden Tagen gönnen wir uns am Abend ein gutes Menü im Restaurant des Campingplatzes.
Ab jetzt kehren wir um und fahren wieder in Richtung Heimat. Wir durchqueren abwechslungsreiche Landschaften in Nordspanien
unterhalb des Ebro-Stausees und verfolgen den Fluss in seinem weiteren Verlauf. Bei Orbaneja del Castillo fließt ein Nebenfluss bzw. Bach mitten durch die malerische Ortschaft über Kaskaden in den Ebro, der hier durch ein felsiges Tal verläuft. Besonders spannend wird das Ganze dadurch, dass gerade ein gewaltiges Gewitter ausbricht, sodass ich patschnass zum Auto zurückkomme, während Christine und die Kinder sich derweil in einem Souvenirshop unterstellen.
Danach suchen wir über Internet einen Reiterhof, von dem wir einen Ausritt machen können. Die Kinder haben nämlich von mir zu Weihnachten einen entsprechenden Gutschein über 2 Stunden Reiten im Gelände bekommen. Unsere mühsame Suche führt uns in völlig abgelegene und eher ärmliche Gegenden, bei der man sich um 50 Jahre zurückversetzt fühlt. Beim dritten Pferdehof klappt es endlich mit einem kurzfristigen Arrangement.
Zusammen mit zwei Spaniern geht es am nächsten Morgen ohne jede Kontrolle unseres Reitkönnens zum Ausritt los. Nach einer winzigen Ortschaft kommen wir in einen schönen Laubwald mit schmalen steilen Pfaden – ein landschaftlicher Genuss. Auf einem breiteren Karrenweg fangen die Pferde plötzlich zu traben und sogar zu galoppieren an, obwohl wir das gar nicht vorhatten. Mein Pferd hat keine Trense im Maul, sondern nur ein Halfter, und lässt sich daher kaum dirigieren. Stattdessen frisst es alles Grünzeug am Wegesrand und reißt mich jedes Mal so bei einem zu kurzen Zügel fast aus dem Sattel. Von daher bin ich froh, dass ich mich – auch bei einem zweiten Galopp – im Sattel halten kann und wir unbeschadet zum Reitstall zurückkommen. Ein ziemliches Abenteuer, das ich mit der 360 Grad-Kamera am Helm dokumentiere und das vor allem Annalena gut gefallen hat.
Auf
der Weiterfahrt kommen wir in der Nähe von Pamplona in die Halbwüste und das Biosphärenreservat von Bardenas Reales, das uns sehr empfohlen wurde. Im ausgeliehenen Reiseführer wird jedoch der Weg zum Besucherzentrum (dort gibt es eine Detailkarte) wegen eines Druckfehlers völlig falsch beschrieben – und wir landen ohne sonstige Orientierung erst mal im Nirgendwo statt auf der vorgesehenen Rundstrecke.
Ohne Karte versuchen wir uns mit dem GPS zur Hauptsehenswürdigkeit Castill de Tierra durchzuschlagen. Doch bald schon müssen wir Allrad und Untersetzung einschalten und vorsichtig über schwieriges Offroad-Gelände fahren. Bei einer Flussdurchquerung nur 2 Kilometer vor unserem schon in Sichtweite liegendem Ziel ist dann Schluss: obwohl um uns herum alles ausgetrocknet ist, führt eine Furt noch Wasser und ist tief verschlammt. Direkt vor uns ist ein spanischer Geländewagen genau dort stecken geblieben - und wartet jetzt auf (teure) professionelle Hilfe. Wir sind gut beschäftigt, unseren Wagen umzudrehen und bei hereinbrechender Dunkelheit, aber toller Sonnenuntergangsstimmung, die Piste wieder zurück zu fahren.
Über Autobahnen geht es nun in Richtung Mittelmeerküste und Barcelona. In Siurana, wo ich vor 30 Jahren schon einmal beim Klettern war, machen wir nochmal Station. Dieses spektakulär auf einer Felsinsel gelegene Dorf war wegen seiner uneinnehmbaren Festung einer der letzten Stützpunkte der Araber während der jahrhundertelangen Maurenherrschaft. Zwischendurch war der Ort fast ausgestorben - heute ist es ein von Kletterern wiederentdeckter Hotspot für Touristen. Der Gemeinderat hat entschieden, sich nicht für das schönste Dorf Spaniens zu bewerben, um nicht noch mehr Touristen anzulocken. Wir genießen den Zauber des Dorfes ganz in der Früh, bevor wir an die vielbefahrene und zugebaute Küste fahren.
Kurz vor Barcelona checken wir auf einem vielbesuchten Campingplatz am Strand ein, wo gerade ein starker Wellengang herrscht, den wir ausgiebig auskosten. Von hieraus können wir mit dem Bus bis ins Zentrum der Stadt fahren – und entscheiden uns dann für eine Busrundtour durch die ganze Millionenstadt. Neben den vielen Prachtbauten, dem Hafen oder auch dem Fußballstadion wird Barcelona hauptsächlich durch die Bauten von Stararchitekt Antoni Gaudi geprägt.
Vor diesen Gebäuden versammelt sich immer eine Heerschar von Touristen, was aber von der Sagrada Familia noch bei weitem übertroffen wird.
Diese weltberühmte, inzwischen höchste Kirche der Welt, ist eine immer noch nicht vollendete Basilika im Zentrum von Barcelona, obwohl der Baubeginn schon 1882 war. Die Sagrada Familia finanziert sich nur über Spenden und Eintrittsgelder und wird täglich von Tausenden Touristen besucht und fotografiert (ca. 5 Millionen pro Jahr). Wichtiger als das beeindruckende Gebäude aus mehreren Stilepochen selbst scheint es heute allerdings zu sein, ein Selfie davon zu posten. Auf diese Weise komme ich aber zu interessanten Porträts, denn die Selfie-Fotografen sind sehr mit sich selbst beschäftigt.
Nach diesem randvollen Tag in Barcelona als Urlaubsabschluss treten wir endgültig die lange Rückreise nach Hause an und schaffen es, am zweiten Tag wieder zu Hause zu sein.